Menschen in Georgien: Wissenswertes über die Bevölkerung des Kaukasus-Staates

Rund 70 Prozent der Menschen in Georgien sind Georgier, unter zehn Prozent Russen, circa sieben Prozent Armenier, sechs Prozent Aseris (Aserbaidschaner) und sieben Prozent andere Nationalitäten, also Ukrainer, Osseten und andere. Man schätzt, dass nach 1991 rund eine Million Menschen Georgien verlassen haben, um Bürgerkriegen, Perspektivlosigkeit und Armut zu entfliehen. Es ist also festzustellen, dass einer von fünf Bewohnern Georgien verlassen hat. Sogar die UNO hat sich für den Massenexodus interessiert. Schätzungen gehen davon aus, dass die Einwohnerzahl in Georgien heute 4,7 Millionen beträgt. An den Grenzen Georgiens wird nur der Grenzübertritt erfasst, egal ob jemand auswandert, eine Urlaubsreise antritt oder ins Ausland geht, um dort zu studieren. Viele Georgier reisen auch mit einem mehrmonatigen Touristenvisum in die USA, nach Europa oder in die Türkei, um dort schwarz zu arbeiten.

Nach der sogenannten „Rosenrevolution“ reisten viele Russen nach Russland aus, was durch ihre Sprachkenntnisse und im Allgemeinen höhere Qualifikation begünstigt wurde. Nach seiner Amtsübernahme lud Präsident Michail Saakaschwili die Auswanderer zur Rückkehr nach Georgien ein. Diejenigen, die nach Georgien zurückgekehrt sind, haben dies sehr schnell bedauert und planen ihre erneute Ausreise. Jeder Emigrant überweist etwa 1.000 US-Dollar pro Jahr an seine Angehörigen, was sich bei einer Million Auswanderern auf rund eine Milliarde US-Dollar pro Jahr summiert.

Die Georgier sind trotz ihrer misslichen ökonomischen Lage gegenüber Touristen immer gastfreundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit. Reisende können sehr leicht mit den Einheimischen Kontakt aufnehmen. Trotz ihrer finanziell katastrophalen Lage legen die Georgier sehr großen Wert auf ihre Kleidung. Alles muss ordentlich aussehen, egal ob es sich dabei um Schuhe, Kleidung oder die Frisur handelt. Zeit spielt in Georgien eine sehr untergeordnete Rolle, da die wenigsten Georgier eine Armbanduhr besitzen.

Das Leben verläuft in Georgien in äußerst ruhigen Bahnen, für ein Gespräch oder einen Plausch haben die Georgier immer Zeit. Die Pünktlichkeit zählt nicht gerade zu den georgischen Tugenden. Schuld daran ist aber auch die mangelnde Infrastruktur, die es meist unmöglich macht, zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort zu sein. Für eine weibliche Touristin ist es kaum möglich mit einem georgischen Mann ein normales Gespräch zu führen. Dagegen ist ein Gespräch von Frau zu Frau in Georgien relativ einfach möglich.

Die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau ist in Georgien noch immer stark ausgeprägt. Die Frau ist für den Haushalt, der Erziehung der Kinder und oft noch für die Versorgung der Tiere, falls vorhanden, zuständig. Witwen haben in Georgien ein teilweise schweres Leben, da abgesehen vom finanziellen Aspekt, der Mann als Repräsentant der Familie nach außen fehlt. Scheidungen kommen in Georgien nicht so häufig wie in Deutschland vor. Die georgischen Frauen tragen nicht nur die ganze Last des Haushalts, sondern verfügen in der Regel auch über einen hohen Bildungsgrad.