Lachszucht im Süden von Chile

Die Lachszucht im Süden von Chile brachte in der Vergangenheit viel Geld in die Kassen der Fischindustrie. Doch die Massentierhaltung im Meer ist zu einer ökologischen Katastrophe geworden. Tierseuchen bringen Millionen von Fischen den Tod. Viele Arbeiter verlieren ihren Job – die Regierung schaut tatenlos zu. Die Lachsfarmen in Quellón im Südosten der Insel Chiloé gehören Großunternehmen wie AquaChile oder Pacific Star.

Die Fischfarmen sind Monokulturen, die von Bojen, Zäunen und Kontrollstationen umgrenzt sind. In den Fischkäfigen, die bis zu 25 Meter in die Tiefe reichen, schwimmen 50.000 bis 100.000 Zuchtlachse. Die Fische werden von Mastmaschinen gefüttert, die tonnenweise Fischmehl ausstreuen. Auf jedes Kilo Lachs kommen fünf bis acht Kilo Fischfutter. Doch der Mythos der Lachszucht in Chile ist bedroht: infektiöse Salmanämie heißt die aktuelle Krankheit, die die Fische innerlich verbluten lässt und eine ganze Industriebrache bedroht. 

In Chile befindet sich die zweitgrößte Zuchtwirtschaft der Welt, die jetzt am Rande eines Kollapses steht. Eigentlich sollte die Lachszucht Chiles strukturschwache X. Region in ein Paradies der Lebensmittelproduktion verwandeln. Mit der Züchtung von Lachsen erschloss sich die Diktatur Augusto Pinochets in den achtziger Jahren eine neue Geldquelle neben der Ausbeutung der Kupferminen. Nach 1990, nachdem die Demokratie in Chile wieder eingezogen war, wurden die chilenischen Lachse zum Exportschlager, die Milliardengewinne einbrachten und zehntausende Arbeitsplätze schufen. 

Heute ist die Lachswirtschaft in Chile mit über zwei Milliarden Dollar verschuldet. Chilenische Lachszüchter verwenden 350-mal so viel Antibiotika und Fungizide, wie es in Norwegen üblich ist. Deshalb lehnen die Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland Lachslieferungen aus Chile ab. Der Biologe und Fischer Héctor Kol prangert die unerträglichen Zustände in den chilenischen Fischfarmen an: „Das ist Umweltdumping, wie Tschernobyl.“ Zuchtlachs ist für den Umweltaktivisten toxisch, ein Produkt der Chemie und nicht der Natur, wie es eigentlich sein sollte.