Guadalupe Ruiz hat in Bogotá in armen Hütten und reichen Villen fotografiert

Der Bildband „Bogota D.C.“ zeigt 120 Fotografien der kolumbianischen Fotografin Guadalupe Ruiz, die 1978 in Kolumbien geboren wurde und seit Mitte der 1990er-Jahre in der Schweiz eine neue Heimat gefunden hat. In Bogotá D.C. erforscht sie mit ihrer Kamera das soziale Gefälle ihrer Geburtsstadt Bogotá.

In sechs Vierteln von Bogota, in der jeweils eine bestimmte soziale Schicht wohnt, hat Guadalupe Ruiz Gebäude, Wohnungen, Inneneinrichtungen, Möbel, Zimmerschmuck, Persönliches, Heilige und Bilder von Familien abgelichtet. Von den schlichten und einfachen Behausungen der Unterschicht bis zu den imposanten Villen der Wohlhabenden hat sie Privaträume und Spuren der Bewohner von Bogotá fotografiert.

Guadalupe Ruiz bildet in Bogotá D.C. bildet das Alltägliche ab, zeigt allerdings nicht nur die riesige Kluft zwischen Arm und Reich in der kolumbianischen Hauptstadt, sondern auch Gemeinsamkeiten in der Kultur. Denn eines haben das Proletariat und die Oberschicht gemeinsam, ein scheinbar hemmungsloses Verlangen nach Nippes und Kitsch. Auch die Präsentation von Schul- und Arbeitszeugnissen scheint für die ganze kolumbianische Bevölkerung ein Charakteristikum zu sein.

Die Fotografin will mit ihren Fotografien auch verdeutlichen, dass der kulturelle Graben zwischen Arm und Reich bei weitem nicht so tief ist, wie es der ökonomische Abstand vermuten lassen könnte. Fotospezialist Joerg Bader ist sogar geneigt, von einer Angleichung nach unten zu sprechen, wobei das Fernsehen eine wesentliche Verantwortung für diese Entwicklung mitträgt.

Die Verbindung zu alten einheimischen Kulturen scheint in Kolumbien immer mehr verloren zu gehen und kaum noch zu existieren, wenn man einmal davon absieht, dass Zierfiguren wie auf einem Altar präsentiert werden. Dennoch sind überall auf den Bildern von Guadalupe Ruiz sind auch religiöse Motiv präsent, auch wenn sie ihren Platz an den Wänden Urlaubserinnerungen und Familienporträts teilen müssen. Der Fotografin ist es laut Joerg Berger gelungen, die Umgebung der Menschen Bogotás und die Gegenstände, die sie in ihren Wohnungen ansammeln, zum Sprechen zu bringen. Auf diese Weise sagt sie etwas über die Menschen selbst aus, obwohl diese auf ihren Fotos gar nicht vorkommen.

Für den Fotospezialisten Joerg Berger zeugt der Bildband Bogota D.C. vom heutigen Stadtleben und dessen Werten, die von allen sozialen Klassen geteilt werden, nämlich dem Besitz von Konsumgütern. Aber vor allem die Oberschicht zeigt gerne, was sie besitzt: sei es ein offener Kamin, die teure Weinsammlung in der Küche, prächtige Blumengärten sowie chinesische Vasen. Ergänzt sind die 120 beeindruckenden und nachdenklich machenden Fotos durch einen Essay des Fotospezialisten Joerg Bader. Auf einem beigelegten Stadtplan von Bogotá sind die sechs Bezirke und die einzelnen Orte, an denen die einzelnen Fotografien entstanden.


Bogotá D.C.
Fotos: Guadalupe Ruiz, Text: Joerg Bader
Verlag: Scheidegger & Spiess
Gebundene Ausgabe: 152 Seiten, Auflage: 2012
ISBN: 978-3-85881-351-0,  38,00 Euro

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