Das Leben der Mennoniten im Norden von Paraguay

Im Chaco im Norden Paraguays ist das Klima heiß und die Böden karg. In der Trockenzeit kann das Thermometer auf über 40 Grad Celsius steigen. Hier leben Menschen, die plattdeutsch sprechen.

Es sind einige Tausend Mennoniten, die in dieser unwirtlichen Gegend ihre Heimat gefunden haben. Für sie gibt es keinen schöneren Platz auf der Welt, da Gott sie hierher geführt hat. Benannt sind die Mennoniten nach ihrem Gründer, den Friesen Menno Simon, der von 1496 bis 1561 lebte.

Die Mennoniten leben seit 80 Jahren im Chaco von Paraguay. Etwa 30.000 von ihnen verteile sich auf einen Vielzahl von Kolonien. Viele sprechen zwar Spanisch, aber die dominierenden Sprachen sind immer noch Deutsch und Plattdeutsch. John Thiessen, der Schuldirektor von Loma Plata, sagt: „Wir wundern uns selbst, warum unsere Schüler nicht lieber spanisch sprechen.“ Die älteren der Mennoniten haben auch typisch deutsche Namen wie Gundolf oder Ingrid. Die Jüngeren tragen aber spanischen Namen wie beispielsweise Marcelo.

Die Mennoniten in Paraguay gelten im Gegensatz zu ihren Glaubensbrüdern in Bolivien und Mexiko als sehr fortschrittlich. Die haben die Trachten abgelegt und die Pferdekutsche gegen den Geländewagen eingetauscht. Auch Handys sind in den Kolonien weit verbreitet. Die Mennoniten kamen 1927 in den Chaco, weil die Regierung von Paraguay bereit war, sie geschlossen aufzunehmen und ihnen Sonderrechte zu gewähren, die sie in anderen Ländern nicht erhalten hätten. Sie durften praktisch einen Staat im Staat errichten, deutschsprachige Schulen gründen und nach ihrem eigenen Sozialsystem leben sowie ihre Religion ausüben.

Ihre privilegierte Stellung in Paraguay haben die Mennoniten auch dem Diktator Alfredo Stroessner zu verdanken, dessen deutscher Vater in das südamerikanische Land ausgewandert war. Sie bemerkten allerdings nicht, dass sich das Land und die Kolonien zu einem Versteck für ehemalige Nazis und Verbrecher entwickelten. Nach dem Sturz des Diktators im Jahre 1989 mussten die Mennoniten lernen, sich an der Politik Paraguays zu beteiligen. Seit rund zwanzig Jahren kämpfen sie beispielsweise für die Rechte der Indianer, in die Behausungen aus Blech an den Rändern der Kolonien leben.